Einmal um die halbe Welt

Reisetagebuch

Epilog

Posted by Markus - März 10, 2012

Nun bin ich schon seit fast zwei Wochen wieder zurück in Berlin und konnte alles mal sacken lassen. So schön die Reise auch war, so bin ich doch froh, dass sich mein Leben wieder etwas normalisiert hat.

In sechs Monaten hin und in 24 Stunden wieder zurück. Es war schon seltsam auf dem Monitor im Flugzeug die Strecke zu sehen, die ich zuvor entlang gezockelt bin. Wie beschwerlich es manchmal war und ich jetzt einfach drüber hinweg flog. Aber dafür wurde das Flugzeug ja erfunden.

Den Gedanken diese Reise zu machen hatte ich schon seit mehreren Jahren. Ich hatte aber nie den richtigen Zeitpunkt dafür gefunden. Da ich mal eine Pause von Job und London brauchte, war die Zeit reif. Auch um das endlich mal aus meinem Kopf zu bekommen.

Im Grunde kann man in jedes Land zu jeder Zeit im Jahr reisen. Allerdings schloss ich für mich einiges aus. So wollte ich nicht im Winter nach Sibirien oder zur Regenzeit nach Südostasien. Und so hat sich das mögliche Zeitfenster so ergeben, wie ich letztendlich gereist bin. Man kann den Zeitpunkt nicht optimal für jedes Land gestalten, aber so war es für mich der beste Kompromiss. Wäre ich später losgefahren wäre es in Russland und der Mongolei zu kalt gewesen. Bei einer früheren Abfahrt wäre ich voll in die Überschwemmungen in Thailand und Kambodscha gekommen. Außerdem wäre Land unter in Laos gewesen. Auch in der Rückbetrachtung war es die richtige Entscheidung.

Die ursprüngliche Intension, die Reise ohne Flugzeug zu machen, war die Größe und Weite unseres Planeten zu erfahren. Wie weit ist es bis zum anderen Ende der Welt? Ich habe ja schon manche Fernreise hinter mir und jedes mal wird man nach 12 Stunden mehr oder weniger Schlaf im Flugzeugsitz in eine andere Welt katapultiert. Zu sehen, wie sich die Kulturen und Menschen auf dem Weg dorthin verändern war schon sehr spannend. Auch wenn ich manches von meinen Reisen nach China, Thailand oder Indonesien schon kannte. Aber die Intensität der Erlebnisse war durch diese Art des Reisens sehr hoch. Dadurch, dass ich einigermaßen schnell voran kommen und trotzdem die interessanten Orte nicht verpassen wollte, war es zeitweise schon ziemlich anstrengend. Kein Wunder hatte ich mehrere Kilos abgenommen. Das wird aber langsam wieder. Ich habe dann in Timor gemerkt als ich mal gezwungen wurde nichts zu tun, wie alle Energie raus war und ich für zwei Wochen zu nichts Lust hatte. Im Vorfeld hatte ich das schon erwartet, nur hatte ich schon viel früher damit gerechnet. Aber wenn die Orte so interessant sind und man nebenbei noch alles organisieren muss vergisst man die Anstrengung.

Ich weiß nicht genau wie viele Kilometer ich letztendlich zurückgelegt habe. Vielleicht rechne ich es mal genau aus, wenn ich die Muse dazu habe. Luftlinie sind es etwas mehr als 18000 km von Berlin nach Wellington. Die Reiseroute, die ich nahm, habe ich mal auf Google Maps grob abgesteckt und bin auf 27000 km gekommen. Die tatsächliche Strecke war dann wohl mehr als 30000 km. An Transportmitteln war dann auch alles dabei. Zug, Bus, Minibus, S-Bahn, Yacht, Fähre, Containerschiff. Wenn ich auch auf der Reise abgenommen habe, Sitzfleisch war auf jeden Fall genügend vorhanden.

Ich wurde oft gefragt, wo es mir denn am besten gefallen hat. Das kann ich kaum beantworten, da die Vielfältigkeit der eigentliche Höhepunkt war. Man kann auch die Mongolei zum Beispiel schwer mit Indonesien vergleichen. Russland fand ich sehr interessant, da ich in dieser Gegend noch nie war. Auch wenn die Landschaft bis auf den Baikalsee nicht sonderlich spektakulär ist. Die Weite der mongolischen Steppe war ebenso faszinierend wie China, auch wenn ich da schon zum dritten mal war. Die verschieden Länder Südostasiens in ihrer Unterschiedlichkeit und Schönheit zu erleben war auch toll. 5 Wochen in Timor-Leste zu verbringen findet man wahrscheinlich in keinem Reiseprospekt. Es war aber dennoch hochinteressant, ein wenig Einblick zu erhalten, in ein Land, das als eines der jüngsten in die Völkergemeinschaft aufgenommen wurde und das noch unter UN-Protektorat steht. In Australien und Neuseeland hätte ich gerne mehr Zeit verbracht. Aber die Umstände der Reise brachten es mit sich, dass ich nirgendwo angemessen Zeit hatte das Land zu erkunden. Ich musste ja noch was für spätere Reisen übrig lassen. Ich habe vor, noch mal nach Kambodscha zu gehen, wo ich nur Angkor Wat besuchte. Auch von Malaysia war ich angenehm überrascht und würde das Land gerne mal außerhalb der Regenzeit bereisen. Sehr gut gefallen hat mir Laos und die Natürlichkeit der Menschen, die dort leben. Nicht zu vergessen die Überfahrten mit den Schiffen, die in dieser Form für mich wohl einzigartig bleiben werden . Wenn ich einen einzigen Ort nennen müsste der mich am meisten fasziniert hat, dann war das wohl die Schwefelmine im Vulkan Ijen in Indonesien. Vor allem die Arbeitsumstände, die dort herrschen, gepaart mit der unwirklichen Schönheit der Ortes.

Ich hatte mir zu Beginn lange überlegt ob ich überhaupt ein Onlinereisetagebuch führen sollte. Ich bin sonst immer nach der Devise gereist „wenn ich weg bin, bin ich weg“ und dann will ich auch nicht an zu Hause denken. Aber diese Reise war ja anders und vor allem länger. Es war so gedacht, dass die Menschen, die es interessiert, ab und zu nachschauen konnten wo ich mich gerade rumtreibe. Auch, dass ich nicht immer die gleichen Emails schreiben musste. Ich war mir auch nicht sicher wie lange ich selbst Lust dazu hatte und dachte es würde auch schwer werden überall Internetzugang zu bekommen. Wie sich aber herausstellte gab es den in jeder noch so kleinen Hütte. Da ich auf meiner Website sehen kann, wie viele Leute drauf klicken und mein Tagebuch regelmäßig gelesen wurde, war ich motiviert. Man schreibt ja nicht gerne in die unendlichen Weiten des Cyberspace. Im Schnitt hatte ich 50 Klicks pro Tag. Mit der Zeit hatte ich mehr und mehr Lust bekommen und es wurde eine Selbstverständlichkeit. Ich war richtig angenervt als ich in China keinen Zugriff hatte. Man schreibt so einen Reisebericht ja nicht nur für die Anderen, sondern auch für sich selbst. Gerade wenn man alleine unterwegs ist und so viele Eindrücke sammelt, kann man sich so sehr gut mitteilen. Man wird so seine Erlebnisse los, bevor einem der Kopf überquillt. Und letztendlich ist es schön im nachhinein eine Chronik in den Händen bzw. auf der Festplatte zu haben. Auch dadurch, dass ich alles noch mal niedergeschrieben habe sind mir alle Orte, trotz der Fülle, auch jetzt noch unheimlich präsent.

Daher möchte ich mich bei allen bedanken, die fleißig mitgelesen haben und auch bis zum Schluss dabei geblieben sind. Auch für die vielen Kommentare.

Die über 1000 Fotos, die ich hochgeladen habe, hatte ich fast ausschließlich mit meiner Digitalkamera gemacht. Nebenbei habe ich auch mit meiner analogen Hasselblad fotografiert und die Filme unterwegs entwickeln lassen. Hier in Berlin habe ich diese nun eingescannt. Zum Schluss noch eine Diashow mit einer Auswahl in chronologischer Reihenfolge.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

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9 Antworten to “Epilog”

  1. Der Schuck said

    Alter,

    willkommen zurueck, Mann! Toll geschriebener Epilog, tolle Fotos, freu mich, dass Du alles gut ueberstanden hast! Darauf kannst Du echt stolz sein!

    Viele Gruesse nachm Baalin, wa!

    Chuck

    • Markus said

      Hi Florian,

      Yo, alles gut überstanden. Zur Zeit genieß ich es nur auf dem Sofa rumzufletzen. Solange es noch geht, muss ja bald wieder Geld verdienen.

      Liebe Grüße

      Markus

  2. Willkommen zuhause ( Übrigens ganz in der Nähe … ) !

    Es hat mir großes Vergnügen bereitet, Sie auf Ihrer Reise zu begleiten.
    Vielen Dank auch für die vielen optischen Eindrücke.

    Ihr Henning zu Henningsheim.

    • Markus said

      Vielen Dank (dacht ich mir schon bei dem Namen) 😉

      Hat mich auch gefreut. Sie waren einer der wenigen die von außerhalb auf meinen Blog gestoßen sind und auch dabei geblieben sind. Jedenfalls von dem ich weiß.

      Viele Grüße

      Markus

  3. Welcome back to the normal world.

    I just want to say I enjoyed reading your blog. It wasn’t just interesting stuff, but I also practised my German, haha.

    I took this ( http://sydonian.files.wordpress.com/2012/02/dsc09406.jpg?w=700&h= ) picture of you when we met at the Cameron Highlands. In case you’re interested, you can watch my photo’s here: http://sydonian.wordpress.com/fotos/

    Let me know when you are going to make another big trip so I stay posted 🙂

    Sydo

    • Markus said

      Hi Sydo,

      Nice Pics. Thanks for posting! 🙂

      Unfortunately my Dutch is not as good, but I see you are a celebrity now back home and made it in the papers.
      Cool trip, according to your travel map. Are you still on the road?

      Well, my next trip will be quite a bit down the road. Need to earn some money first.

      Markus

  4. Guenter said

    Hi Markus,
    danke für für diesen ausergewöhnlich, informatifen Reisebericht. Ich habe fasziniert gelesen und mit gefiebert.
    Alles Gute für die Zukunft –
    wünscht Günter

  5. Tombo said

    Hi Schnitz, Deine Reise ist jetzt bald schon verjährt. Ich bin immer noch begeistert von Deinem Tagebuch und stöbere von Zeit zu Zeit immer mal wieder darin. Herzliche Grüße an’s andere Ende der Welt, Tombo

    • Markus said

      Hi Tombo,

      von Zeit zu Zeit schau ich auch nach wo ich vor einem Jahr war. Bin gerade in Bali und war witzigerweise letztes Jahr ziemlich in der Nähe. Auf Java. Nur halt in die andere Richtung. Ich mache Zwischenstopp auf dem Weg nach Deutschland über Weihnachten. Dann sieht man sich ja wieder 🙂

      Liebe Grüße
      Schnitz

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